Joomla 3 wurde bereits 2012 veröffentlicht. Für ein CMS sind acht Jahre eine sehr lange Zeit. Auch wenn Joomla 3 immer noch modern wirkt, wird es doch Zeit für ein neues Major Release das alte Zöpfe abschneidet. Genau das macht das Update auch in erster Linie. Neue Funktionen sind kaum vorhanden. Alle jetzt in Joomla 3 als deprecated markierte Funktionen und Dateien wurden entfernt. Die Restrukturierung der Libraries, die mit Joomla 3 begonnen hat, wird mit Joomla 4 abgeschlossen. Klassen und Pfade und Pfade orientieren sich strikt an den PSR Vorgaben. (Coding Styles, Namespaces, Autoloading-Klassennamen usw.)

Für Entwickler hat das den Vorteil dass sie mit einer modernen und aufgeräumten Codebasis arbeiten können die z.B. Testing-Tools wie PHPUnit integriert. Profitiert haben auch die Debugging- und Profiling-Möglichkeiten die noch detaillierte Informationen über Laufzeitverhalten und die Umgebung ausgeben.

Hier einige der wesentlichen Änderungen für Administratoren

  • Ein Überarbeiteter Media Manager mit einfachen Bearbeitungsfunktionen für Bilder
  • Mailtemplates für Benutzerinformationen Rundschreiben
  • Webservice-Schnittstellen um Inhalte in anderen Webseiten und Mobile-APPs verfügbar machen zu können
  • Ein nochmal erweiterter Publishing-Workflow für Artikel
 

Für Entwickler sind weiterhin folgende Möglichkeiten interessant

  • SQL Prepared Statements via PDO sind möglich
  • Ein erweiterter Event-Dispatcher mit Custom Events
  • Errorhandling muss über PHP Exceptions (try ... catch) erfolgen
  • Das neue Backend ermöglicht eine bessere Integration eigener Komponenten.

Was meiner Meinung nach noch fehlt ist ein vernünftiges Template-Schnipsel-System für Inhalte. Das kann man zwar nachrüsten aber eigentlich wäre es kein Aufwand Joomla dahingehend erweiterten. Der JCE Pro zeigt wie man es machen könnte.

Sofort umsteigen?

Joomla 4 befindet sich immer noch im Beta Stadium. Es kann durchaus noch ein Jahr dauern bis zur Veröffentlichung der ersten Stable-Version. Selbst dann wird Joomla 3 noch mindestens zwei Jahre mit Updates versorgt.

Obwohl Joomla 4 vermutlich so sorgfältig und lange getestet worden ist wie es bei kaum einem anderen Projekt bislang der Fall ist, muss man davon ausgehen dass, noch nicht alles perfekt ist. Sicherheitsrelevante Fehler sollten aber nicht mehr vorhanden sein. Wenn man keine Fremdkomponenten verwendet und die gegenwärtige Joomla 3 Installation noch recht frisch ist, sollte man allerdings problemlos updaten können. Die Bedienung hat sich im Prinzip kaum geändert. Der Workflow ist fast gleich (Exzellent) und damit auch für normale Anwender leicht zu verstehen.

PHP 7.25 wird  Mindestvoraussetzung für den Betrieb sein. Als Datenbank wird Mysql 5.6+ oder PostgreSQL 11+ vorgeschrieben. Das Framework unterstützt zwar auch SQLite und MS-Sql, nicht jedoch das CMS.  Die Hardwareanforderungen sind eher gesunken als gestiegen. Ebenso die Geschwindigkeit, die vom modernen autoloading profitiert.  Mit PHP 8 und seinem JIT Compiler könnte das moderne Famework nochmal erheblich zulegen.

Kritikpunkt: Platzverschwendung der Templates

Die beiden Standard-Templates von Joomla im Frontend und Backend verwenden ein aktuelles Bootsstrap 4.5 CSS Framework. Sie sind dadurch uneingeschränkt mobil fähig, flexibel anpassbar und sorgen auf allen System für eine perfekte Darstellung.

Das neue Administrator-Template "Autum" hat einige interessante Ansätze wie das Seitenmenü und anpassbare Dashboards in den einzelnen Bereichen.  Besonders externe Komponenten könnten dadurch profitieren. Allerdings gehen einige Views im Backend sehr großzügig mit dem vorhandenen Platz um. So dass man auch auf großen Bildschirmen häufig scrollen muss um alle Formularelemente oder Tabelleneinträge zu sehen. Abgesehen von einem auch an große Bildschirme angepasstem layout, hätte ich mir gewünscht dass der Administrator Variablen wie Abstände, Schriftgrößen direkt setzen könnte.

Interessierte können sich die Beta von Joomla 4 auf der Webseite herunterladen oder auch online testen.